Ich werde regelmäßig über das Equipment schreiben, das ich selbst in meinen Shootings verwende.
Diese Serie widmet sich dem Thema Blitzen – und im Mittelpunkt steht mein Go-To Blitz, der Godox V1.
In Teil 1 geht es um die Grundlagen – vom Verständnis des Lichts bis zu den ersten Praxisschritten mit dem V1.
Licht kontrollieren statt suchen
Es gibt Momente, in denen das natürliche Licht einfach nicht mitspielt. Draußen wird es dunkel, das Fensterlicht reicht nicht mehr aus, und die Stimmung, die man eigentlich einfangen möchte, verliert sich im Schatten.
Genau hier beginnt die Faszination des Blitzlichts – und der Punkt, an dem der Godox V1 für mich zu einem unverzichtbaren Werkzeug geworden ist.
Warum überhaupt blitzen?
Viele Fotografen meiden den Blitz, weil sie ihn mit grellem, künstlichem Licht verbinden. Doch der Blitz ist kein Gegner des natürlichen Lichts – er ist seine Verlängerung. Richtig eingesetzt, schafft er Tiefe, Zeichnung und Atmosphäre, selbst dort, wo kaum Licht ist.
Ein Blitz ist nicht dazu da, alles hell zu machen. Er ist da, um Licht zu gestalten.
Der Godox V1 im Überblick
Der Godox V1 ist ein kompakter, leistungsstarker Aufsteckblitz mit einem runden Kopf, der ein weicheres und gleichmäßigeres Licht erzeugt als klassische rechteckige Blitze.
Er lässt sich sowohl auf der Kamera als auch entfesselt verwenden – das heißt, kabellos ausgelöst über einen Funk-Trigger oder das integrierte Godox X-System.
So kann der Blitz frei im Raum positioniert werden, was dir erlaubt, Licht gezielt zu setzen und den Look deiner Bilder bewusst zu gestalten.
Der Godox V1 wird in verschiedenen Versionen angeboten, die jeweils auf eine bestimmte Kameramarke abgestimmt sind:
C = Canon
N = Nikon
S = Sony
F = Fujifilm
O = Olympus / OM System
P = Pentax
Ich selbst verwende die Sony-Variante, den Godox V1-S, die sich nahtlos in mein Setup mit der Sony A7III integriert.
Er unterstützt TTL, HSS (High-Speed Sync) und wird von einem wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Akku gespeist, der für lange Shootings mehr als ausreichend ist.
Technische Eckpunkte
Leistung: 76 Ws
Zoom: 28 – 105 mm (automatisch / manuell)
Blitzkopf: rund, mit magnetischem Zubehörsystem (z. B. Diffusor, Dome, Grid)
Neigung / Drehung: −7° bis +120° vertikal / 0° bis 330° horizontal
Blitzdauer: ca. 1/300 – 1/20 000 s
Farbtemperatur: 5 600 K ± 200 K
LED-Modellierlicht: 2 W bei 3 300 K ± 200 K
Akkutyp: Li-Ion Akku (7,2 V / 2 600 mAh)
Recycle Time: ≈ 1,5 s bei Vollleistung
Akkulaufzeit: ca. 460 – 480 Blitze bei Vollleistung
Funksteuerung: integriertes 2,4 GHz-System (Godox X-System, 32 Kanäle, Reichweite ≈ 100 m)
Abmessungen: 76 × 93 × 197 mm
Gewicht: ca. 530 g (mit Akku)
(Quelle: https://www.godox.com/)
TTL oder manuell?
Der Godox V1 kann sowohl im TTL- als auch im manuellen Modus betrieben werden.
Beide Varianten haben ihre Vorteile – entscheidend ist, wie viel Kontrolle du über dein Licht übernehmen möchtest.
TTL – automatisch, schnell und intuitiv
TTL steht für Through The Lens.
In diesem Modus misst deine Kamera das Umgebungslicht und berechnet automatisch die benötigte Blitzleistung.
Das ist ideal, wenn du spontan arbeitest, dich viel bewegst oder wechselnde Lichtbedingungen hast – etwa bei Hochzeiten, Reportagen oder dynamischen Porträts.
Du kannst zusätzlich über die Blitzbelichtungskorrektur eingreifen, um das Licht heller oder dunkler zu gestalten.
Manuell – volle Kontrolle über das Licht
Im manuellen Modus bestimmst du selbst, wie viel Leistung der Blitz abgibt. Das erfordert etwas mehr Erfahrung, ermöglicht aber konstante Ergebnisse – perfekt für kontrollierte Lichtsetups, Studioarbeiten oder Wiederholungen unter gleichen Bedingungen.
Einmal verstanden, bietet der manuelle Modus die größte kreative Freiheit:
Du entscheidest über Helligkeit, Richtung und Stimmung – der Blitz reagiert exakt so, wie du es vorgibst.
Mein Tipp:
Starte mit TTL, um ein Gefühl für das Zusammenspiel von Blitz und Umgebungslicht zu bekommen.
Sobald du verstehst, wie Licht reagiert, wechsel langsam in den manuellen Modus.
Das schärft dein Verständnis für Belichtung – und du wirst merken, wie viel kreativer sich Licht einsetzen lässt, wenn du es bewusst steuerst.
Der TTL-Modus – automatisch, aber mit Feingefühl
Wann TTL besonders hilfreich ist:
Bei wechselnden Lichtbedingungen, z. B. zwischen Sonne und Schatten
In Reportagen oder Porträtsituationen, wenn sich das Motiv bewegt
Wenn du schnell reagieren musst und keine Zeit für manuelle Anpassungen hast
Die wichtigsten Einstellungen im TTL-Modus
1. Blitzmodus einstellen.
Drücke die MODE-Taste auf der Rückseite, bis im Display „TTL“ erscheint. Der Blitz arbeitet nun automatisch mit der Kamera zusammen.
2. Blitzbelichtungskorrektur (FEC – Flash Exposure Compensation)
Hier beginnt der kreative Teil des TTL-Modus. Denn auch wenn die Kamera automatisch misst, entscheidet sie nicht immer „richtig“. Oft interpretiert sie helle Szenen als „zu hell“ oder dunkle Szenen als „zu dunkel“.
Mit der FEC – Korrektur kannst du die Blitzleistung gezielt anpassen,
ohne den Modus zu verlassen. Über die Taste +/- oder das Drehrad kannst du die Blitzleistung feinjustieren.
+EV: mehr Blitzlicht (heller)
–EV: weniger Blitzlicht (weicher, natürlicher)
Der Wert wird in Drittelstufen eingestellt (z. B. +0,3 / +0,7 / –0,3 EV). In meinem Beispielbild ist der Blitz auf +0,3 EV gesetzt.
Eine kleine, aber spürbare Verstärkung, die hilft, bei leichtem Gegenlicht oder dunklen Hintergründen etwas mehr Zeichnung ins Gesicht zu bringen, ohne dass das Licht künstlich wirkt.
Tipp: Starte bei 0,0 EV und taste dich schrittweise an dein gewünschtes Licht heran.
3. Zoom
Der Zoom am Godox V1 bestimmt, wie breit oder eng das Blitzlicht auf das Motiv fällt. Im automatischen Modus passt sich der Blitz zwischen 28 mm und 105 mm automatisch an die aktuelle Brennweite deines Objektivs an.
Das bedeutet:
Wenn du ein Weitwinkelobjektiv verwendest (z. B. 28 mm), verteilt der Blitz das Licht breit über die Szene.
Bei längeren Brennweiten (z. B. 85 mm oder 105 mm) konzentriert sich das Licht enger auf das Motiv, was mehr Reichweite und Kontrast erzeugt.
Du kannst den Zoom aber auch manuell einstellen, um den Charakter des Lichts bewusst zu beeinflussen – unabhängig vom Objektiv.
Weit vs. Tele – die Wirkung:
28–50 mm: Breiter Lichtkegel, weiches Licht, ideal für Gruppen oder Umgebungslicht-Porträts.
Das Licht füllt den Raum gleichmäßig aus, Schatten werden sanfter.70–105 mm: Enger Lichtkegel, stärkerer Lichtfokus, mehr Tiefe und Kontrast. Perfekt für Porträts, bei denen das Gesicht betont und der Hintergrund etwas dunkler bleiben soll.
Ich nutze den Zoom oft manuell, auch wenn der TTL-Modus aktiv ist. Zum Beispiel stelle ich ihn bei Porträts auf 70 mm oder 85 mm, selbst wenn das Objektiv nur 50 mm hat –
so wird der Lichtkegel konzentrierter, und das Motiv hebt sich deutlicher vom Hintergrund ab.
Umgekehrt kann es hilfreich sein, den Zoom bewusst zu erweitern (z. B. 35 mm), wenn du mit einem Reflektor arbeitest oder weiches, flächiges Licht erzeugen möchtest.
4. HSS – High-Speed Sync
HSS steht für High-Speed Sync – eine Funktion, die es ermöglicht, mit Verschlusszeiten kürzer als 1/200 Sekunde zu blitzen.
Das klingt zunächst technisch, ist aber in der Praxis entscheidend, wenn du bei hellem Tageslicht oder mit offener Blende fotografierst.
Warum du HSS brauchst:
Die meisten Kameras haben eine sogenannte Blitzsynchronzeit – meist zwischen 1/160s und 1/250s.
Das ist die schnellste Verschlusszeit, bei der der Sensor noch vollständig vom Licht des Blitzes belichtet wird. Wenn du schneller wirst, ist der Verschlussvorhang bereits teilweise geschlossen, und ein normaler Blitz würde nur einen Teil des Bildes aufhellen (der Rest bliebe schwarz oder halb belichtet).
Mit High-Speed Sync löst der Blitz mehrere kleine Lichtimpulse in extrem schneller Folge aus, während der Verschluss über den Sensor wandert. Dadurch bleibt die Belichtung über das gesamte Bild gleichmäßig – auch bei 1/4000 s oder 1/8000 s.
Wann HSS besonders nützlich ist:
Porträts im Freien bei Sonnenlicht: Du kannst mit einer offenen Blende (z. B. f/1.8) arbeiten, um den Hintergrund weich zu gestalten, ohne das Bild zu überbelichten.
Gegenlicht-Situationen: Wenn du das Gesicht aufhellen, aber den Himmel oder Hintergrund erhalten möchtest.
Schnelle Bewegungen: HSS kann helfen, Bewegungen zu „einfrieren“, ohne harte Schatten.
HSS am Godox V1-S aktivieren:
Kamera auf M (manuell) – stelle eine Verschlusszeit kürzer als 1/200 s ein (z. B. 1/1000 s oder 1/4000 s).
Blitz einschalten und sicherstellen, dass er im TTL- oder M-Modus steht.
HSS aktivieren: Drücke die SYNC-Taste am Godox V1-S (Symbol: Blitz mit „H“). Auf dem Display erscheint „HSS“ oder ein H mit Pfeil – das zeigt, dass der Blitz jetzt im High-Speed-Modus arbeitet.
Testfoto aufnehmen und gegebenenfalls die FEC (Blitzbelichtungskorrektur) leicht erhöhen, da HSS oft etwas weniger Leistung bringt.
Praxis-Tipp aus meinen Shootings:
Ich nutze HSS häufig bei Outdoor-Porträts mit offener Blende (f/1.4–f/2.8), um das Gesicht leicht aufzuhellen und gleichzeitig den Hintergrund unscharf zu halten.
Gerade bei Sonnenlicht sorgt eine Verschlusszeit von 1/2000 s bis 1/4000 s für natürliche Farben und ausgewogene Helligkeit.
Ein kleiner FEC-Wert von +0,3 bis +0,7 EV hilft oft, das Licht etwas präsenter, aber nicht aufdringlich zu gestalten.
Wichtiger Hinweis zur Leistung:
Im HSS-Modus arbeitet der Blitz mit mehreren kleinen Impulsen statt einem großen Lichtstoß.
Das bedeutet:
Die maximale Leistung sinkt leicht,
der Akkuverbrauch steigt,
und der Blitz erwärmt sich schneller.
Wenn du also viel mit HSS arbeitest, achte auf ausreichend Akkus und gönne dem Blitz gelegentlich kurze Pausen.
5. Weitere Einstellungsmöglichkeiten
Testblitz / Blitzbereitschaft:
Mit der TEST-Taste (Blitzsymbol) kannst du prüfen, wie das Licht fällt, bevor du das eigentliche Foto machst. Das hilft besonders, wenn du entfesselt blitzt oder einen Reflektor positionierst.
Achte auch auf die grüne Blitz-Bereitschafts-LED – sie signalisiert, dass der Blitz nachgeladen ist.
AF-Hilfslicht:
Der V1 verfügt über ein rotes Autofokus-Hilfslicht an der Front. Es unterstützt den Autofokus bei wenig Licht, besonders bei Indoor-Shootings.
Das Licht kann im Menü ein- oder ausgeschaltet werden – praktisch, wenn du diskret arbeiten möchtest (z. B. bei Hochzeiten).
Modellierlicht (LED-Licht):
Das kleine Dauer-LED-Licht am Blitzkopf hilft, Schattenverläufe zu beurteilen,
bevor du auslöst.
Es ist schwach, aber ideal, um zu sehen, wie sich der Lichtwinkel auf das Gesicht auswirkt.
Viele Fotografen unterschätzen diesen Vorteil beim Positionieren.
Entfesseln / X-System-Verbindung:
Wenn du den Blitz nicht auf der Kamera, sondern kabellos einsetzen willst, kann er über das Godox X-System (2,4 GHz) ausgelöst werden.
Mit einem Godox XPro- oder X2-Trigger auf der Kamera kannst du auch mehrere Blitze gleichzeitig steuern – z. B. Hauptlicht, Aufheller und Hintergrundlicht.
Ausblick auf Teil 2
Wenn du bis hierher gelesen hast, kennst du nun die Grundlagen des Blitzens mit dem Godox V1 – von TTL-Einstellungen über Zoom-Verhalten bis hin zu High-Speed-Sync.
Das war der erste Schritt, um Licht nicht mehr dem Zufall zu überlassen,
sondern gezielt damit zu gestalten.
In Teil 2 der Serie geht es um das, was den Unterschied zwischen geblitzt und beleuchtet ausmacht:
Lichtformen, Bounce-Technik und kreative Anwendungen
mit Reflektor, Dome, Grid und verschiedenen Winkel-Setups.
Ich zeige dir, wie du das Licht modellierst, um Tiefe, Stimmung und Natürlichkeit zu erzeugen – egal, ob im Studio oder on location.
Godox V1 Preischeck
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Shira
Ich bin Shira Rachel, Fotografin aus Wien. „Für mich ist Fotografie wie Schreiben mit Licht, wie Musizieren mit Farbtönen, wie Malen mit Zeit und Sehen mit Liebe.“ Dieses Zitat von Almut Adler beschreibt sehr treffend, was ich selbst in der Fotografie empfinde. Für mich ist Fotografie eine Sprache aus Licht, Gefühl und Technik. Sie erlaubt mir, Geschichten festzuhalten, die man nicht in Worte fassen kann. Hier schreibe ich über das, was hinter meinen Bildern geschieht. Über die Bedeutung von Licht. Über Bearbeitung und Intuition. Über Technik als Werkzeug und Gefühl als Kompass. Mich fasziniert dieser schmale Grat zwischen Präzision und Zufall, zwischen Kontrolle und Moment. Genau dort, wo beides aufeinandertifft, entsteht für mich Fotografie.




